Ein wichtiger Teil der Ausstellerschaft auf der EMV rekrutiert sich aus der “EMV-Immobilienbranche” – die Einrichtung und Ausstaffierung von EMV-Testzellen ist eine durchaus gewinnbringende Tätigkeit. Außerdem gibt es verschiedenste Absorbermaterialien und sogar die eine oder andere Neuigkeit in Sachen Bauteil. Hier eine Liste von Gütern, die das Interesse des Autors geweckt haben.
Schurter – Superkondensatoren ante Portas
Am Stand von Schurter – man darf das Unternehmen nicht mit dem von den Solartron-Multimetern bekannten Hersteller Schaffner verwechseln – gab es neben verschiedenen Netzfiltern erstmals auch Superkondensatoren zu sehen.
Bildquelle, alle: Tamoggemon Holding k.s.
Feuerhardt – Kontaktfedern aus Kupfer-Titan
Kupfer-Kontaktfedern bestehen aus Legierungen, weil reines Kupfer ein unzureichendes Federverhalten zeigt. Bisher kam in diesem Bereich vor allem Beryllium zum Einsatz, was bei Nachbearbeitung (Stichwort Schleifen) zu giftigen Stäuben führte. Feuerhardt schickt nun Kontaktfedern aus Kupfer-Titan ins Rennen, die bei der Nachbearbeitung menschenfreundlicher sind.
MRC Components – “Ferritkerne” aus Nanokristallmaterial
Am Stand von MRC Components gibt man sich dem smaller, cheaper, lighter der Komponentenindustrie hin.
Aus Nanokristallmaterial gefertigte Kerne für Spulen haben ihren ferritbasierten Kollegen gegenüber die folgenden Vorteile, die unterm Strich zu geringerem Gewicht und (bei großen Kernen) geringeren Kosten führen:
1 |
x) dreifach höhere Sättigbarkeit |
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x) Faktor 10 bessere Permeabilität |
3 |
x) bis zu 600°C hitzefest |
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x) geringere Verluste |
3M – NanoVNA als Demo für Absorbermaterialien
Am Stand von 3M lag der Fokus auf Absorbermaterialien. Besonders nett waren die beiden Demos, die die verschiedenen Stoffe unter Nutzung von zwei NanoVNAs vorstellten – die Standbesucher konnten die Attribute der Materialien so “am lebenden Objekt” betrachten.
Siepel – neuartige Absorbermaterialien
Am Stand von Siepel – das Unternehmen fertigt traditionell Absorberziegel – fanden sich ebenfalls neuartige Materialien. Neben einer Silikonmatte gab es auch ein an Handtaschenstoff erinnerndes Absorbermaterial, das sich beispielsweise als Handytasche für Paranoide eignen könnte.
Rohde und Schwarz – neue Antenne für Hallenverifikation
Am letzten Messetag gab es von Rohde und Schwarz noch eine Neuigkeit – eine Mikrowellenantenne, die dank ihrer kompakten Ausmasse und der hohen Direktivität zur Verifikation des Verhaltens von Messhallen in EMC-Laboren prädestiniert sein soll.
waveLAB Ruhr – Drohne als EMV-Mappingsystem
Das von Pendulum kreierte Scansystem auf Basis eines zweckentfremdeten 3D-Druckers ist nicht die einzige “Umwidmung” im EMC-Bereich. Das Testlabor waveLAB Ruhr zeigte eine Drohne, die für sehr große Tests außerhalb einer Testkammer verwendet wird.
Zu beachten ist, dass diese Drohne nicht zum Verkauf steht – sie dient derzeit lediglich dem Eigenbedarf.
AVT EMC – innovatives Zubehör für EMV-Kammern
Das Innenleben der EMC-Kammer ist insbesondere bei höheren Feldstärken nicht unbedingt ein Raum, in dem sich allgemeine Elektronik wohl fühlt. AVT EMC ist auf verschiedene Produkte spezialisiert, die in diesem Bereich eine gute Figur machen – neben einer bis zu 100 V/m aushaltenden RGB-Kamera zeigte man auch Leuchten, die durch sehr geringe Störemissionen auffallen.
Brandneu ist das gezeigte System, das eine Fernsprechanlage realisiert. Nett ist das 3D-gedruckte Gehäuse, das danach mit einem EMV-festen Lack beschichtet wurde.
Langer EMV – verschiedene Systeme zur EMV-Verifikation von integrierten Schaltungen
So die individuellen Bauteile gute Störfestigkeit aufweisen, lässt sich das System als Ganzes leichter absichern. Im Hause Langer EMV ist man seit jeher auf derartige Messungen spezialisiert – Mittel der Wahl sind spezielle Sonden, die das direkte Ansprechen einzelner Pins einer integrierten Schaltung erlauben.
Neben der klassischen EMV-Testung dienen die Systeme neuerdings auch zur Verifikation der Sicherheit der Chips – Verfahren wie Fault Injection lassen sich durch einige der Sonden des Unternehmens einfacher abbilden.
InncoSystems – Positionierungssysteme und EMV-unsichtbares Material
Verschiedenste Unternehmen bieten Systeme zur automatischen Positionierung von Messsonden und DuTs in Kammern an. Ein Beispiel hierfür ist die InncoSystems, die vergleichsweise große Varianten des Konzepts zeigte.
Interessant ist auch das unter https://composites.evonik.com/en/products-services/foams/rohacell im Detail beschriebene RohaCell – ein EMV-transparenter Rohstoff, der für die CNC-Verarbeitung optimiert ist.
Verstärker auf Röhrenbasis gibt es immer noch
In EMC-Kammern sind mitunter erhebliche Feldstärken erforderlich. Zu ihrer Erzeugung werden auch heute noch gerne Röhrenverstärker verwenden – die Abbildung zeigt nur ein Beispielunternehmen von mehreren.
Emzer EmScope – nicht nach Hause telefonierende Messtechnik
Der Trend im Bereich der Messtechnik geht zu Systemen mit Cloudanbindung und Abonnements Im Hause Emzer geht man – siehe Werbeflyer – demonstrativ den umgekehrten Weg.
amber precision instruments – Störimpuls-Verteilungsroboter
amber precision instruments zeigt einen Roboterarm, der zur Aufnahme einer Störimpuls-Kanone befähigt ist. Das System fährt danach einen vordefinierten Pfad ab, um das DuT an bestimmten Stellen zu zappen. Sinn davon ist eine Reduktion der Kosten und eine Steigerung der Wiederholbarkeit.
Morita – Roboter zur Scannung von Kabelsträngen
Kabel können – logischerweise – ebenfalls als Quell von EMI dienen. Der Roboter aus dem Hause Morita begegnet diesem Problem.
LumiLoop – Feldsonden mit optischer Versorgung
Zu guter Letzt verdient LumiLoop eine detaillierte Erwähnung. Das Unternehmen bietet – wie in der Abbildung gezeigt – eine Serie von e-Feld-Sonden an.
Besonderheit ist, dass sowohl die Energieversorgung als auch die Aberntung der Ergebnisse ausschließlich optisch erfolgen: Energie kommt durch einen Laserstrahl in die Sonde, während Lichtsignale über die Intensität des gemessenen Felds informieren.
Sinn dieses Designs ist das Vermeiden von metallischen Kabeln, die sich auf die Messgenauigkeit auswirken können.
Nächstes Jahr – Köln!
Ein Schild vor dem Messegelände informiert über den Termin der nächsten Messe.
Außerdem fand sich bereits die Abschlusspressemeldung, die nach folgendem Schema über die Teilnehmerzahl informiert:
1 |
In diesem Jahr zog die Veranstaltung mit einer Vielzahl an Ausstellern aus 22 Ländern |
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eine breite Fachwelt und rund 2500 Fachbesucher*innen an, die sich intensiv mit den |
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aktuellen Entwicklungen im Bereich der elektromagnetischen Verträglichkeit |
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auseinandersetzten. Besonders hervorzuheben ist der Anstieg der Ausstellungsfläche |
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sowie die wachsende Zahl der internationalen Teilnehmer*innen. |
Interessant ist, dass die Mesago hausintern von höheren Teilnehmerzahlen ausgegangen war: die Stuttgart-EMV gilt traditionell als “Automotive-EMV”, während die Kölner Variante eher den Fachkongress im Fokus hat. Im Automotivebereich scheint es derzeit indes Reisesperren zu geben…
Zuerst erschienen bei Mikrocontroller.net News
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