EmbeddedWorld 2025, Tag 1 – im Namen des Mikrocontrollers

Der erste Tag der EmbeddedWorld liegt hinter uns. Texas Instruments schickt einen nur 1.38mm² großen ARM-Mikrocontroller ins Rennen, während Infineon die PSoC-Serie um neue Wege zur Erkennung von Berührungen und Flüssigkeitslevels ergänzt. Am Stand von onsemi zeigte man einen neuartigen Tiefensensor, während Synaptics die auf AI-Aufgaben optimierte Astra-Serie konkretisierte. Was es sonst Neues gibt, und wo kostenlose Goodies warten, verraten wir wie immer in unserem News-Roundup.

Bildquelle, alle: Tamoggemon Holding k.s.

TI MSPM0C1104 – weltweit kleinste MCU

Als Microchip einst den PIC 10F200 einführte, staunten viele über das achtpinnige Gehäuse. TI schickt nun ein noch kleineres Bauteil ins Rennen, das auf einem Cortrex M0+-Kern basiert.

Zu technischen Spezifikationen und Verfügbarkeit vermeldet TI dann folgendes;

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Mit 1,38 mm² ist das acht Kontakte aufweisende WCSP-Gehäuse um 38 % kleiner als das konkurrierender Bauelemente. 
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Neben 16 KB Speicher enthält der MCU einen dreikanaligen 12bit-A/D-Wandler und sechs GPIO-Pins (General-Purpose Input/Output) und bietet Kompatibilität zu standardmäßigen Kommunikations-Schnittstellen wie etwa UART (Universal Asynchronous Receiver Transmitter), SPI (Serial Peripheral Interface) und I²C (Inter-Integrated Circuit). 
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Vorproduktions-Stückzahlen des MCU MSPM0C1104 sind auf TI.com erhältlich.
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  Der Preis des Bausteins im WCSP-Gehäuse beträgt -,20 US-Dollar (ab 1.000 Stück) 
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  Es stehen mehrere Bezahl- und Versandoptionen zur Auswahl. 
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  Das MSPM0C1104 LaunchPad Development Kit kann auf TI.com für 5,99 US-Dollar erworben werden.

NXP – AI-MCU-Demo und S32K5-Automotive-MCU mit besserer Isolation

Die Übernahme des AI-Spezialisten animierte NXP zu einer Demonstration der AI-Fähigkeiten des hauseigenen Chipgespanns, die sich auf die Bildanalyse und Generierung von Bildbeschreibungen auf einem nicht näher spezifizierten Edgesystem auf Basis hauseigener Komponenten fokussierte.

Wesentlich interessanter war die Vorstellung des S32K5, der derzeit allerdings nur in Form eines Synapsys-Simulators vorlag.

Seine wichtigste Fähigkeit ist dabei die verbesserte Isolation zwischen den einzelnen Domains: eine Domain soll sich resetten lassen, ohne dass dies den Rest der Maschine in irgendeiner Weise tangiert. In Zusammenarbeit mit Green Hills steht dann noch ein Hypervisor für den R52-Kern zur Verfügung, der Automotive-Entwicklern das Umsetzen zonaler Architektur erleichtern soll.

Synaptics – AI-Mikrocontroller mit mehrzonaler Architektur zwecks geringerem Stromverbrauch

Der einst für seine Touchpads bekannte Hersteller möchte die hauseigene Erfahrung in Sachen AI seit einiger Zeit auch für ein Play im Mikrocontrollerbereich nutzen. Die MPUs gibt es mittlerweile kommerziell – zum Mikrocontroller gab es nun die in der Abbildung gezeigten Neumeldungen.

Neu ist, dass das System so zwischen drei Zuständen wechseln kann – die AI-Leistung kann dabei gegen den Stromverbrauch abgewogen werden. Am Stand zeigte man auch Entwicklerhardware, die allerdings erst im Juni verfügbar werden soll.

Infineon – PSoC mit Multisense und Automotive-RISC/V

Das PR-Team von Infineon zeigte sich diesmal – wohl ob der Qualität der Meldungen, die für sich allein sprechen – nur wenig verhaltensauffällig. Auffällig war stattdessen ein als Multi-Sense bezeichnetes Feature, das dem PSoC 4 die Erkennung von induktiven Kontakten und Flüssigkeitspegeln ermöglichen soll.

Im Bereich induktiver Erkennung auf Metall ermöglicht der weite Frequenzbereich dabei das Erkennen von Berührungen an beliebigen Stellen; die Tasten am Demoobjekt bestanden „nur“ aus aufgemalten Linien. Geradezu faszinierend ist indes die Erkennung von Flüssigkeiten und Schäumen (!!!) – die gezeigten Streifen klebt man einfach an den Rand des zu überwachenden Tanks. Unförmige Tanks lassen sich durch einen ML-Trainingsprozess ebenfalls erfassen.

Interessant waren auch Hintergrundinformationen zum geplanten Push in Sachen RISC/V für Automotive. Motivation Infineons für die Nutzung der quelloffenen Architektur ist die Möglichkeit, so schneller auf Änderungen im Bedarf zu reagieren. Im Rahmen des gezeigten Standardisierungsgremiums arbeitet man dabei – laut eigener Aussage produktiv – im Bereich der Standardisierung mit Unternehmen zusammen, mit denen man im Bereich der Implementierungen konkurriert.

STMicroelectronics – Post-Quantum-Kryptographie für die STM32-Familie

Die Franco-Italiener hatten ihre Neuankündigungen in Sachen MCU bereits vor der EmbeddedWorld öffentlich gemacht. Am Kongress – Evaluationsboards verteilte man diesmal übrigens so gut wie gar nicht – lag der Fokus der Demos auf der Breite des Ökosystems. In Sachen Computersicherheit bietet man eine Erweiterung für Cube an, die quantencomputerfeste Verschlüsselungsalgorithmen bereitstellt. Per November sei dabei eine Auslieferung für „alle“ Controller im Portfolio geplant, derzeit ist die Unterstützung vergleichsweise schmal.

Außerdem zeigte man ein vom hauseigenen Accelerator unterstütztes Start-Up, das wie in der Abbildung gezeigt WiFi per Energy Harvesting betreibt und dazu einen hauseigenen Power Management-Chip nebst einem STM32U0 verwendet.

Espressif – QWERTZ-Tablet mit ESP32-P4, PLCs, ESP32-H4-Demo

Espressif zeigte sich in Sachen Neuankündigungen gar nicht faul. Eine Demo des H4 bewies, dass es sich dabei nicht um Vaporware handelt.

Der seit einiger Zeit zur Firmengruppe gehörende Evaluationsboard-Hersteller M5Stack zeigte derweil – wie immer – einige Neuprodukte. Neben einem mit einer Tastatur erweiterbaren Tablet auf Basis eines ESP32-P4 stehen einige PLC-artige Systeme ante Portas.

Freunde des M5Stack-Ökosystems sind dabei übrigens zu einem in München stattfindenden Event eingeladen, das allerdings erst nach der Abreise des Newsautors startet.

Espressif x Arduino – Matter und Zigbee funktionieren

Obwohl man Arduino und Espressif bis zu einem gewissen Grad konkurrieren, unterstützt Espressif die HAL der Italiener bereitwillig. Eine der Demos am Stand zeigte – wie in den Abbildungen gezeigt – die Umsetzung verschiedener Funksysteme über die Arduino-APIs.

Wiznet W55MH32 – neuer Kombinationscontroller mit kostenlosem Sampleboard

Mit dem in der Abbildung gezeigten W55MH32 erweitert der Ethernet-Offloading-Spezialist WizNet die hauseigenen Angebote um eine MCU auf Basis eines Cortex-M33-Kerns.

Zu den Hardwarespezifikationen findet sich unter https://wiznet.io/products/imcu-chips/w55mh32q Folgendes:

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Core: 32-bit ARM®Cortex-M3 Core(Up to 216MHz operation)
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Memories:1024KB FLASH,96KB SRAM
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Hardware TCP/IP stack is supported
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Support 8 hardware socket communication at the same time
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Internal 32Kbytes Memory for Ethernet Tx/Rx Buffers
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10BaseT/100BaseTX Ethernet PHY embedded
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Support Auto Negotiation (Full and half duplex, 10 and 100-based)
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Up to 12 communication interface
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2 x I2C interfaces(support SMBus/PMBus)
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5(W55MH32L) / 3(W55MH32Q) x USARTs
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2 SPI interfaces, 1 multiplexed with I2S interface
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CAN interface(2.0B Active)
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USB 2.0 full-speed interface(Optional internal 1.5K pull-up resistor)
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SDIO interface(Only W55MH32L Support)
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3 x 12-bit, 1 μs A/D converters
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2 x 12-bit D/A converters
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12-channel DMA controller
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generate sequence of true random numbers
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voltage & temperature sensor alarm
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Enhanced CRC calculation unit
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17 x Timers
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Built-in hardware algorithm
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DESAESSHASM1SM3SM4SM7
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Provide a complete high-performance algorithm library
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Encapsulation
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W55MH32L : QFN100, 12 x 12(mm)
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W55MH32Q: QFN68, 8 x 8(mm)

Am Stand gibt es nach dem Ausfüllen eines (kurzen) Formulars ein kostenloses Evaluationsboard zum Mitnehmen, das erste Experimente mit dem Chip erleichtert.

Kostenloses – Freibier

Am Stand von OEMSecrets – er ist in Halle 3A, fehlerhafte Werbungen, die auf Halle 4 verweisen, sind zu ignorieren – gibt es wie in der Abbildung gezeigt Freibier. OEMSecrets selbst ist dabei eine Preisvergleichsengine, die bei Elektronikprojekten mitunter erhebliche Geldmengen einsparen hilft.

Kostenloses – NXP, WizNet und Infineon

STMicroelectronics zeigt sich diesmal leidlich freigiebig. Stattdessen springen Infineon, NXP und WizNet ins Rennen. Die kostenlosen Boards von NXP sind dabei nur in Halle 3A erhältlich, das Unternehmen spricht allerdings davon, auch Studenten gerne mit kostenloser Hardware auszustatten. Im Bereich der Freedom-Boards bietet man dabei alles an, was nicht auf einer MPU basiert.
WizNet bietet wie weiter oben besprochen seinen Cortex M33-Controller an; außerdem gibt es auch Boards auf Basis der Variante mit dem RP2040. Infineon offeriert derweil PSoC-Boards, die allerdings im Laufe des Tages ausgehen können – frühes Besuchen des Stands lohnt sich also.
Zu guter Letzt gibt es wieder eine Schnitzeljagd, die einen RPi Pico 2 bereitstellt.

Embedded Award 2025 – Liste der Gewinner

Wie jeder gute Messeveranstalter lässt sich auch die Messe Nürnberg das Vergeben von Best of Show-Preisen nicht nehmen. Unter https://www.embedded-world.de/de-de/presse/pressemitteilungen/2025/neun-gewinner-beim-embedded-award-2025 finden sich weitere Informationen zu den im folgenden Abschnitt genannten Gewinnern:

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Artificial Intelligence
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heartKIT AI Development Kit
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Aussteller: Ambiq
4
Halle/Stand: 4-581
5
Hardware
6
Cadence Base System Chiplet
7
Aussteller: Cadence Design Systems
8
Halle/Stand: 4-219
9
Electronic Displays
10
8" Micro LED IRIS PHUD
11
Aussteller: Tianma
12
Halle/Stand: 1-350
13
Embedded Vision
14
D500R WORM SD / D500R WORM microSD
15
Aussteller: Team Group Inc.
16
Halle/Stand: 5-239
17
Safety&Security
18
TROPIC01
19
Aussteller: Tropic Square
20
Halle/Stand: 5-373
21
SoC/IC/IP design
22
Trimension NCJ29D6: Ultra-Wideband IC
23
Aussteller: NXP Semiconductors
24
Halle/Stand: 4A-222
25
Software
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Driver
27
Aussteller: Driver
28
Halle/Stand: 3A-332
29
Start-up
30
AI Bunker
31
Aussteller: Accelerat
32
Halle/Stand: 4-625
33
Tools
34
Catapult AI NN
35
Aussteller: Siemens EDA
36
Halle/Stand: 5-119

In eigener Sache: morgen geht es weiter

Der Newsautor wird sich auch morgen auf der EmbeddedWorld herumtreiben. Wer sich – wie der gezeigte Leser meldet – macht /me eine Freude, und kann auch eine Zigarre abstauben.

Zuerst erschienen bei Mikrocontroller.net News

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